Kurz gesagt
- Orangenblüten sind in Italien das klassische Symbol der Hochzeit: Der Ausdruck steht für die Hochzeit selbst.
- Traditionell schenkt der Bräutigam den Brautstrauß, und sein Anstecker greift eine Blume daraus auf.
- Confetti, Bomboniere und Confettata sind italienische Bräuche mit großem Gewicht, Blumen begleiten sie oft.
- Chrysanthemen stehen in Italien für Trauer: Vermeidet sie als Hauptblume.
Dieser Ratgeber ist für Paare, die in Italien heiraten und die Bräuche rund um Blumen verstehen möchten: Paare aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, gemischte deutsch-italienische Paare, im Ausland aufgewachsene Italienerinnen und Italiener. Ihr erfahrt, was die wichtigsten Traditionen bedeuten, was heute noch gemacht wird, was ihr vermeiden solltet und wie ihr mit der Floristin darüber sprecht.
Bräuche, keine Regeln
Eine italienische Hochzeit steckt voller Bräuche. Manche gibt es im ganzen Land, andere wechseln von Region zu Region und sogar von Familie zu Familie. Keiner ist Pflicht. Wer sie kennt, versteht aber besser, was italienische Gäste erwarten, und vermeidet Missverständnisse. Manches kennt ihr von zu Hause, etwa das Werfen des Brautstraußes. Anderes, wie Polterabend oder Baumstammsägen, gibt es in Italien so nicht, dafür andere Rituale.
Italienische Floristinnen und Floristen kennen diese Bräuche gut und arbeiten in allen Stilen, auch fernab der Tradition. Wer Hochzeiten von Paaren aus dem Ausland betreut, seht ihr in der Liste der Floristen für Hochzeiten in Italien.
Die Orangenblüten
Die Orangenblüte ist die weiße, duftende Blüte des Orangenbaums. In Italien ist sie, wie in anderen Mittelmeerländern, seit Jahrhunderten ein Hochzeitssymbol für Reinheit und Fruchtbarkeit. Sie schmückte Kränze, Frisuren und Sträuße. Bis heute heißt "fiori d'arancio" auf Italienisch einfach "Hochzeit".
So wird sie heute verwendet:
- im Brautstrauß, als duftendes Detail;
- in der Frisur, in kleinen Mengen;
- auf Bomboniere und Einladungen, oft als Motiv oder Symbol.
Die Orangenblüte ist vor allem im Frühjahr. Außerhalb der Saison nimmt man weiße Blumen mit ähnlicher Wirkung oder konservierte Varianten. Fragt die Floristin, was in eurem Monat möglich ist.
Der Brautstrauß: wer ihn schenkt und was er bedeutet
Nach italienischer Tradition ist der Brautstrauß ein Geschenk des Bräutigams. Er wählt ihn aus, bezahlt ihn und lässt ihn der Braut am Morgen der Hochzeit bringen, oft nach Hause, während sie sich fertig macht. Früher sah die Braut ihn erst in diesem Moment.
Weitere Bräuche rund um den Strauß:
- der Anstecker des Bräutigams greift meist eine Blume aus dem Brautstrauß auf;
- am Ende des Festes wird der Strauß oft den unverheirateten Freundinnen zugeworfen: Wer ihn fängt, heiratet als Nächste, sagt man;
- viele Bräute lassen einen kleineren Wurfstrauß binden und behalten den echten als Erinnerung;
- manchmal lässt die Braut den Strauß in der Kirche oder schenkt ihn einem lieben Menschen.
Heute wählen viele Paare den Strauß gemeinsam, oder die Braut entscheidet mit der Floristin. Das ist in Ordnung: Die Tradition ist ein Ausgangspunkt. Zu den Blumen für Bräutigam und Familie lest den Ratgeber zu Anstecker und Blumen für den Bräutigam.
Confetti, Bomboniere, Confettata und Reis
Das sind keine Blumen, aber Blumen begleiten diese Bräuche oft. Italienische Gäste erwarten sie.
Die Confetti
Confetti sind keine Papierschnipsel, sondern mit Zucker überzogene Mandeln. Bei der Hochzeit sind sie weiß. In die Bomboniera kommt meist eine ungerade Zahl, oft fünf, die nach einem verbreiteten Brauch für Gesundheit, Fruchtbarkeit, langes Leben, Glück und Wohlstand stehen. Die Abruzzen, vor allem Sulmona, haben eine lange Tradition in der Herstellung von Confetti.
Die Bomboniera
Das ist das kleine Geschenk des Brautpaars an die Gäste, mit Confetti. Es kann ein Gegenstand sein, ein Säckchen oder eine kleine Pflanze. Blumen gehören oft dazu: ein Lavendelzweig, eine Sukkulente, eine Trockenblume, ein Töpfchen mit Kräutern. Fragt die Floristin, ob sie das übernimmt oder ob ihr dafür einen anderen Anbieter braucht.
Die Confettata
Das ist ein Tisch oder Buffet mit Confetti in verschiedenen Geschmacksrichtungen, oft am Ende der Feier. Die Gäste füllen sie in Säckchen. Eine Blumendekoration rund um die Confettata wird häufig gewünscht: niedrige Gestecke, Blumen, die keine Blütenblätter in die Gefäße verlieren, Farben passend zum Rest.
Reis und Blütenblätter beim Auszug
Wenn das Paar aus der Kirche oder dem Rathaus (Comune) kommt, werfen die Gäste traditionell Reis, als Wunsch für Fülle und Fruchtbarkeit. Viele Kirchen und Gemeinden verbieten oder begrenzen das heute, aus Gründen der Sauberkeit und Sicherheit. Die üblichen Alternativen sind Blütenblätter, frisch oder getrocknet, und Seifenblasen. Fragt immer, was erlaubt ist. Der Ratgeber zum Blütenregen beim Auszug erklärt Vor- und Nachteile.
Blumen in der Kirche
Viele Paare heiraten kirchlich, auch wenn sie nicht praktizieren. Für eine katholische Trauung in Italien braucht ihr in der Regel Unterlagen aus eurer Heimatpfarrei: Fragt dort früh nach, und für die standesamtliche Seite bei eurem Standesamt oder Konsulat. Zu den Blumen gut zu wissen:
- die Altarblumen bleiben nach der Trauung oft in der Kirche, als Geschenk an die Pfarrei;
- finden am selben Tag mehrere Trauungen statt, teilen sich die Paare manchmal Schmuck und Kosten;
- jede Pfarrei entscheidet, was wo stehen darf, und kann in bestimmten Zeiten des Kirchenjahres, etwa in der Fastenzeit, Zurückhaltung verlangen.
Alle Details stehen im Ratgeber zum Blumenschmuck in der Kirche.
Was ihr vermeiden solltet: Trauerblumen
Manche Blumen haben in Italien Bedeutungen, die Gäste aus dem Ausland oft nicht kennen.
| Blume oder Brauch | Bedeutung in Italien | Empfehlung |
|---|---|---|
| Chrysanthemen | Verbunden mit den Toten und dem Gedenken Anfang November | Nicht als Hauptblume verwenden |
| Kränze und Blumenkissen | Typische Formen bei Beerdigungen | Ähnliche Formen in der Dekoration vermeiden |
| Gerade Zahl von Blumen als Geschenk | Wird oft mit Trauer in Verbindung gebracht | In Geschenksträußen eine ungerade Zahl nehmen |
| Die Farbe Violett | Für manche mit Trauer und Aberglauben verbunden | Wenn ihr sie mögt, sprecht mit der Floristin |
Das sind Bräuche, keine Gesetze. Nicht alle empfinden sie gleich, und Jüngere achten oft nicht darauf. Eine Hochzeit hat aber Gäste jeden Alters. Zur Bedeutung einzelner Blumen lest den Ratgeber zur Blumensprache bei der Hochzeit.
Regionale Bräuche
Italien ist vielfältig. Einige Beispiele für lokale Bräuche, die ihr mit den Familien und der Organisation klären solltet, weil sie nicht überall gleich sind:
- in mehreren Gegenden im Süden lebt die Serenade für die Braut am Abend vor der Hochzeit weiter, manchmal mit Blumen vom Bräutigam;
- in Teilen Sardiniens wird das Paar mit Weizen, Salz, Blütenblättern und Münzen beworfen, als Glückswunsch;
- in Teilen des Nordostens wird die Krawatte des Bräutigams zerschnitten und stückweise an die Gäste verkauft;
- die Myrte, in der Antike der Liebe geweiht, findet sich noch in manchen Sträußen und Frisuren, vor allem dort, wo sie wild wächst.
Wenn italienische Familien unter den Gästen sind, fragt sie, welche Bräuche ihnen wichtig sind. So liegt ihr am sichersten richtig.
Fragen an die Floristin oder den Floristen
- Welche italienischen Traditionen seht ihr bei euren Hochzeiten noch?
- Gibt es in unserem Monat Orangenblüten? Womit ersetzt ihr sie?
- Bindet ihr auch Wurfstrauß, Anstecker und Blumen für die Mütter?
- Könnt ihr die Confettata dekorieren und die Bomboniere vorbereiten?
- Welche Blumen sollten wir meiden, um Missverständnisse zu vermeiden?
- Erlaubt die Kirche Blütenblätter oder Reis beim Auszug?
- Bleiben die Altarblumen in der Kirche? Wer entscheidet das?
Zum Schluss
Die italienischen Blumenbräuche sind eine eigene Sprache: Ihr könnt sie sprechen, neu deuten oder beiseitelassen. Wer sie kennt, entscheidet bewusster. Wenn ihr aus dem Ausland plant, lest den Ratgeber zur Destination Wedding in Italien.
Sobald Datum und Location feststehen, fragt ein Angebot an und schreibt dazu, welche Traditionen ihr übernehmen möchtet.



